Multiplex IHC-Färbung "Made in Texas" - Bethyl Laboratories

Welche Positionen habt Ihr bei Bethyl und wie lange arbeitet Ihr schon dort?
SC:
Ich bin Stacy Carwile und bin die Vizepräsidentin für Kundenbetreuung und zuständige Tierärztin bei Bethyl Laboratories, Inc. Ich habe mein Studium an der Texas A&M University mit einer Promotion in Veterinärmedizin abgeschlossen. Ich bin für den gesundheitlichen Schutz und das Wohlbefinden der Tiere bei Bethyl verantwortlich. Neben der Leitung von allen kundenbezogenen Aufgaben kümmere ich mich auch um Marketing und Kommunikation. Ich bin seit fast 10 Jahren bei Bethyl.

MS: Ich bin Mike Spencer und bin der Leiter des IHC-Labors und der digitalen Pathologie bei Bethyl Laboratories, Inc. Vor fast zwei Jahren traf ich die Entscheidung, von der University of Kentucky zu Bethyl zu wechseln. Bei Bethyl liegt mein Fokus auf der Entwicklung von Multiplex-Antikörperfärbungen für den Einsatz in digitalen Pathologiesystemen sowie der Entwicklung einzigartiger Lösungen für IHC/IF-Projekte.

Welches sind die wichtigsten Produktkategorien, die Bethyl der Forschungsgemeinschaft anbietet?
SC:
Wir haben mehrere große Produktlinien. Eine davon sind unsere primären Antikörper, welche sich sowohl aus rekombinanten monoklonalen als auch polyklonalen Antikörpern zusammensetzen. Unser Portfolio fasst insgesamt mehr als 8.200 primäre Antikörper, die für verschiedene Anwendungen qualifiziert sind. Ein weiteres wichtiges Produktfeld sind unsere Sekundärantikörper und deren Konjugate. Des Weiteren ist Bethyl ein wichtiger Anbieter von Antiserumprodukten für IVD-Hersteller zur Anwendung in der klinischen Chemie. Wir haben auch eine sehr erfolgreiche Linie von ELISA-Kits. Als Hersteller ist Bethyl in der Lage, Produkte in großen Mengen anzubieten und hat zudem die Möglichkeit, sie an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen.

Was ist die Geschichte hinter dem Firmennamen Bethyl Laboratories?
SC:
Bethyl Laboratories, gegründet 1972, lag in einem ländlichen Gebiet von Texas. Die kleine Gemeinde in der Stadt Montgomery wurde einst als Bethel Gemeinde bezeichnet. Die Gründer, Henry und Sally Carwile, beschlossen den Namen zu übernehmen und ersetzen das “E” durch ein “Y”, da dieses dem Aufbau eines Antikörpers ähnelt.

Bethyl-Logo

 

Welches war das erste Produkt, das Bethyl verkauft hat?
SC:
Zu Beginn boten wir kundenspezifische Serviceleistungen zur Herstellung von Antiseren an. Henry startete mit einer kleinen Gruppe von Ziegen. Ich glaube, die ersten Produkte waren Antikörper gegen menschliches IgG.

Wie Ihr bereits erwähnt habt, hat Bethyl Laboratories seinen Sitz in Montgomery, Texas. Montgomery hat nur eintausend Einwohner und ist gleichzeitig eine der ältesten Städte in Texas. Wie würdet Ihr die Umgebung von Bethyl beschreiben?
SC:
Als die Familie das Unternehmen gründete war die Gemeinde sehr klein. Die Umgebung bestand vor allem aus kleinen Familienbetrieben. Heutzutage verschwinden diese Betriebe zusehends, weil das Wachstum so groß ist. Wir befinden uns weniger als 70 Meilen entfernt von Houston, der viertgrößten Stadt der USA und gleichzeitig die Heimat des weltweit größten medizinischen Zentrums.

Die Menschen kommen also nach Montgomery, weil sie die Landschaft genießen wollen?
SC:
Montgomery liegt nordwestlich von Houston. Nah genug, dass die Menschen hier wohnen, und zum Arbeiten in die Stadt fahren können. Die Kriminalitätsraten sind hier niedriger, es gibt weniger Staus, alles läuft in einem etwas entspannteren Tempo und es gibt ein sehr starkes Gemeinschaftsgefühl.

Das ist lustig, denn in Deutschland lässt sich genau das Gegenteil beobachten. Viele Menschen ziehen vom Land in die Städte, welche immer weiter wachsen.
SC:
Hier in Montgomery expandiert die Stadt und die Vororte werden immer voller.

Aber hat man immer noch das Gefühl in einer Altstadt zu sein, wenn man in Montgomery ist?
SC:
Ja, das hat man, wenn man die Straßen im Herzen der Innenstadt besucht. Der historische Verband leistet gute Arbeit, um die Geschichte und Kultur der Stadt Montgomery zu bewahren. Es gibt einige Gebäude die als historische Stätten der Stadt markiert sind, darunter der Pioneer Complex, die Alte Post und der Drogeriemarkt, die Alte Baptistenkirche und mehrere Friedhöfe. In der Innenstadt gibt es einige Antiquitätenläden, Restaurants, Wein- und Spezialitätencafés, die vor allem an Samstagen gut besucht werden. An den Stadträndern werden viele neue und moderne Gebäude errichtet, unter anderem Tankstellen, Lebensmittelgeschäfte, Apotheken, Restaurants, usw. Die Nachfrage nach diesen Einrichtungen steigt, da die Vororte immer mehr Menschen aufnehmen.

Das klingt sehr interessant. Ich würde mich freuen, die Bethyl-Anlage auch einmal zu besuchen.
SC:
Ja, Du bist herzlich eingeladen. Die Anlage ist beeindruckend. Jeder Schritt der Antikörperproduktion wird vor Ort durchgeführt: Von der Herstellung, über die Prüfung, den Verkaufs bis hin zum Marketing.

Bethyl-Goats

Ziegen auf der Bethyl-Anlage: Jeder Schritt der Bethyl-Antikörperproduktion wird vor Ort durchgeführt.

Ihr habt vor kurzem damit begonnen, Euer Logo mit farbigen Bändern zu kombinieren. Was ist die Geschichte dahinter?
SC:
Die Bänder sind so konzipiert, dass sie das öffentliche Bewusstsein für Themen wie Gesundheit, medizinische Bedingungen oder auch Behinderungen schärfen sollen. Da sich viele unserer Primärantikörper auf die Krebsforschung konzentrieren, haben wir beschlossen, das Bewusstsein für Krebs zu unterstützen, indem wir das zugehörige Band zu unserer aktuellen Firmen-Website hinzufügen. Wir haben zudem Pläne, einen begleitenden Blog-Post zu veröffentlichen, der jeden Monat einen Typ von Krebs vorstellt und dann die Bethyl-Antikörper hervorzuheben, die mit dem behandelten Krebs zusammenhängen. Wenn der Blogbeitrag veröffentlicht wird, soll die Farbe des Bandes angepasst werden um den entsprechenden Krebstyp zu symbolisieren.

Kürzlich habt Ihr einen Artikel über Multiplex IHC auf Eurem Blog veröffentlicht. Was ist der Hauptvorteil im Vergleich zu Einzelmarker-IHC?
MS:
Der Hauptvorteil der Verwendung von Multiplex-Immunfluoreszenztechniken liegt in der großen Menge an Informationen, die man aus einer einzigen Gewebeprobe gewinnen kann. Gewebe kann sehr wertvoll sein, insbesondere Proben von menschlichen Patienten. In der traditionellen IHC kann ein Forscher ein bis zwei Marker auf einem Schnitt visualisieren. Um zusätzliche Marker zu untersuchen, muss man zusätzliche Schnitte einfärben. Multiplex-Immunfluoreszenztechniken erlauben es bis zu acht Marker auf einem einzigen Gewebeschnitt zu untersuchen. Dies ermöglicht einem Forscher detaillierte Informationen über die Mikroumgebung des Tumors zu sammeln und gleichzeitig die geringstmögliche Anzahl von Patientenproben zu verwenden. Der wirklich spannende Aspekt des Multiplex sind jedoch die Informationen, die aus dem Experiment gewonnen werden können. Zum Beispiel kann man in der Immunoonkologie Informationen gewinnen, um unter anderem folgende Fragen zu beantworten: Wo befinden sich die Tumorzellen in der Patientenprobe? Enthält das Gewebe T-Zellen und wo befinden sich diese? Wie ist der funktionale Zustand der T-Zellen? Exprimieren Zellen innerhalb des Gewebes Proteine, die Immun-Checkpoint Inhibitoren darstellen? Mit Hilfe von Bildanalysesoftware kann man aus einem Multiplex-Experiment räumliche Informationen extrahieren, die sonst nur schwer zu erhalten wären. Die Bildanalyse in Kombination mit den Multiplex-Techniken ermöglicht es einem Forscher, nicht nur festzustellen, welche Zellen im Gewebe vorhanden sind, sondern auch die Beziehung zwischen diesen Zellen innerhalb der Tumormikroumgebung. Die vielfältigen Vorteile von Multiplex-Experimenten werden mit Sicherheit zu spannenden wissenschaftlichen Entdeckungen führen.

IHC-multiplex01

Nachweis von humanem CD3 (cyan), CD8 (grün), CD68 (orange), CK (rot), Ki67 (gelb) und PD-L1 (weiß) in FFPE HNSCC durch IHC-IF

Welche sind die ersten Produkte, die Ihr jetzt in diesem Feld produziert?
MS:
Unsere ersten Panels sind auf den Bereich der Immunoonkologie ausgerichtet. Wir betrachten diese Panels als Basis-Panels, da jedes Panel drei Kernantikörper enthält, denen der Forscher zusätzliche Antikörper hinzufügen kann, um es an seine individuellen Bedürfnisse anzupassen. Diese Panels geben dem Forscher die Möglichkeit, Immunzellen und Checkpoint-Inhibitoren zu visualisieren, also Proteine, die T-Zellen herunter regulieren. T-Zellen haben die Fähigkeit, Krebszellen anzuvisieren und zu töten. Die Forschung hat jedoch gezeigt, dass in den meisten Tumoren die T-Zellen in einem herunter regulierten Zustand existieren, in dem sie Tumorzellen nicht aktiv abtöten. Viele der neuen Immuntherapien konzentrieren sich auf die Aktivierung der im Tumor vorhandenen T-Zellen. Die Erforschung der Funktionsfähigkeit dieser Therapien erfordert ein Profil der Patienten, um den individuellen Grad der Infiltration von Immunzellen zu bestimmen. Die ersten Multiplex-Platten, die wir entwickelt haben, werden diese Profilierung unterstützen.

Habe ich das richtig verstanden, Ihr bietet ein Basis-Panel an, dem man verschiedene Antikörper hinzufügen kann?
MS:
Ja genau. Als wir mit dem Betatest anfingen gab es die Idee, mit vier, sechs oder sieben Antikörpern Panels zusammenstellen. Aber wenn wir mit Anwenddern sprachen, war die erste Bemerkung immer, dass diese ihre bevorzugten zwei oder drei Antikörper haben. Also sind wir einen Schritt zurück gegangen und haben eine Kerngruppe zusammengestellt, der man dann dann den Lieblingsantikörper oder -marker hinzufügen kann. Wir werden dann die drei bis vier Antikörper von uns plus denen, die die Kunden zusätzlich einbringen möchten, optimieren.

Das AACR Annual Meeting ist die weltweit größte Krebsforschungskonferenz und zieht jedes Jahr mehr als 18.000 Forscher an. Was hat sich auf der AACR geändert, seitdem Ihr angefangen habt, dort auszustellen?
SC:
Wir haben auf jeden Fall das Wachstum der Besucherzahlen bemerkt. Das Wichtigste, was sich im Laufe der Jahre geändert hat, ist der Anstieg der Wettbewerber im Antikörperbereich. Darüber hinaus hat die Markenbekanntheit von Bethyl in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Habt Ihr eigentlich auch Zeit, die Poster auf der AACR zu besuchen und mit Forschern außerhalb des Standes zu sprechen?
SC:
Ja, wir nehmen uns Zeit, um uns die Poster anzuschauen und uns mit Forschern außerhalb des Standes zu unterhalten. Das ist vor allem Mikes Fokus bei diesem Treffen. Ich habe die Poster als sehr informativ empfunden. Viele konzentrieren sich auf Multiplex-IHC und haben uns auch einige Ideen geliefert für die Zusammenstellung zukünftiger Panels von Bethyl.

Besucht Ihr nur Postersessions oder auch Vorträge?
MS:
Ich besuche sowohl Postersessions als auch Vorträge. Ich schätze die Postersessions sehr, denn sie bieten die Möglichkeit einer persönlicheren Interaktion. Während der Postersessions, wenn sich eine Gruppe von Personen um ein Poster gruppiert, deutet dies meist darauf hin, dass die Forschung interessant ist. Dies ermöglicht es mir, Forschungsergebnisse zu sehen, die ich vielleicht gar nicht geplant habe anzuschauen.

Welche Konferenz wird die nächste für Euch sein?
SC:
Das nächste Treffen, an dem wir teilnehmen werden, ist das AACC-Meeting. Auf dem AACC-Meeting liegt unser Fokus auf dem Bewerben von Antikörperproduktionen im großen Maßstab. Nach dem AACC-Meeting folgt dann das SITC-Meeting. Dort haben in der Vergangenheit noch nie ausgestellt, aber wir freuen uns sehr darauf. Das SITC-Meeting ist eine kleinere Veranstaltung, die sich vor allem auf die Krebsimmuntherapie konzentriert.

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